38 Zuckerwürfel pro Tag
Neue Daten zeigen: In Deutschland werden im Durchschnitt rund 100 Gramm Zucker pro Kopf und Tag konsumiert – das entspricht etwa 38 Stück Würfelzucker. Die Folge sind explodierende Kosten für Kariestherapie, Parodontalerkrankungen, Diabetes, Adipositas und Herz‑Kreislauf‑Leiden – finanziert aus Beitrags‑ und Steuermitteln.
Trotzdem blockiert die Politik seit Jahren eine konsequente Zuckersteuer auf stark gesüßte Getränke, obwohl Länder wie Großbritannien und Mexiko damit den Zuckergehalt gesenkt und die Gesundheit messbar verbessert haben. Jetzt, wo die Haushaltskassen leer sind, wird die Abgabe plötzlich wieder diskutiert – allerdings vor allem als neue Einnahmequelle, nicht als Instrument wirksamer Prävention.
Vor diesem Hintergrund drängt sich die Frage nach dem Einfluss der Zucker‑ und Erfrischungsgetränke‑Industrie auf: Wie sonst ist zu erklären, dass ein Land mit derart hohen Zucker‑Folgekosten weiter zögert, bewährte Maßnahmen umzusetzen und klare Grenzwerte zu formulieren? Studien dokumentieren seit Jahren intensive Lobbyaktivitäten der Branche in Brüssel und Berlin.
Kritisch zu sehen ist zudem, dass die aktuellen Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bis zu etwa 50 Gramm freien Zucker pro Tag – rund 14 Würfelzucker – als akzeptable Obergrenze stehen lassen. Angesichts der epidemiologischen Lage wirkt das wie eine Einladung zum „Weiter so“. Aus zahnmedizinischer Perspektive ist klar: Solange Deutschland nahezu 40 Zuckerwürfel pro Tag und Kopf konsumiert, läuft jede Präventionsrhetorik ins Leere – und die Patientinnen und Patienten zahlen die Rechnung mit ihrer Mund‑ und Allgemeingesundheit.
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Dr. Stefan Dietsche