Fünf neue Studien bestätigen: EMF schädigen Fertilität und Embryos
Weitere Studien: Brustkrebs, Gehirn, Schilddrüse, Viren, Vögel
INHALT: HF während der Schwangerschaft schädigt nachhaltig | Pränatale Mobilfunkbefeldung: Schlechtere Prognose nach Sauerstoffmangel | Linalool: Schutz vor pränatalen HF-Schäden | Q10 schützt vor HF-induzierten Fruchtbarkeitsschäden | WLAN schädigt generationenübergreifend | Auswirkungen von 3,6 GHz auf Insekten | Mobilfunk verändert Hirnaktivität | Mobiltelefone und Brustkrebs | Schilddrüsenkrebs und Verwendung von Mobilfunk | Resonanzfrequenzen: Antivirale EMF? | EMF und Vögel | Industrie im Konflikt mit Wissenschaft
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Seit nunmehr 32 Jahren dokumentiert der ElektrosmogReport Studien, die biologische Auswirkungen elektromagnetischer Felder, speziell der nicht-ionisierenden Strahlung, nachgewiesen haben. Seit 6 Jahren gibt diagnose:funk diesen Fachinformationsdienst heraus. Unsere Datenbank www.emfdata.org enthält aktuell 752 HF-Studien, die biologische Effekte nachweisen, davon sind 566 detailliert von der ElektrosmogReport-Redaktion ausgewertet.
Die Forschungsergebnisse, die in der aktuellen Ausgabe dokumentiert sind, zeigen erneut, wie faktenfrei die Behauptung der Industrie, formuliert von Telefonica Chef Markus Haas, ist:
- „Uns beunruhigt diese Diskussion sehr, weil sie faktenfrei ist. Es gibt keinerlei wissenschaftlich fundierte Studien, die auch nur irgendeine Gesundheitsgefährdung sehen."
Ebenso fern der Tatsachen ist die Behauptung des Bundesamtes für Strahlenschutz, dass unterhalb der Grenzwerte keine Gesundheitsschäden nachgewiesen seien. Auch in diesem ElektrosmogReport sind die (schädlichen) Auswirkungen, die in den Forschungen aufgezeigt werden, in der Regel im nicht-thermischen Bereich.
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Einen Gesamtüberblick über die Studienlage gibt unsere Zusammenstellung von 157 Reviews. Zur Orientierung haben wir einen Kompass-Studienlage und eine Mobilfunk-Chronologie mit den wichtigsten Ereignissen aus Forschung und Politik seit dem Jahr 1996 verfasst.
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Elektromagnetische Felder schädigen Fertilität und Embryos
Der neue ElektrosmogReport 1 / 2026 enthält 12 Artikel, davon 9 zu biologisch-medizinischen Studien, eine epidemiologische Studie, einen Review und einen Bericht zur Debatte über die Deutungshoheit zur Studienlage. Sechs Studien befassen sich mit den Wirkungen elektromagnetischer Felder auf die Fertilität und das Embryo, eine zu Auswirkungen auf das Gehirn, zwei zu Krebs und zwei zu Insekten und Vögeln.
Die Studie der Arbeitsgruppe Gelenli Dolanbay et al. (2025) hat das Hauptergebnis, dass eine pränatale 3,5-GHz-Exposition bei Ratten strukturelle Schäden im Hodengewebe verursacht, einschließlich gestörter Spermatogenese, DNA-Schäden, die bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Die Studie der Arbeitsgruppe Bektas et al. (2026) weist nach, dass eine chronische 3,5-GHz-Exposition Hormone signifikant senkt, oxidativen Stress im Hodengewebe erhöht und histologische Veränderungen auslöst, wobei das Coenzym Q10 als Antioxidans diese Effekte teilweise abmildern kann.
Die Studie der Arbeitsgruppe Mehta et al. (2025) berichtet, dass eine WLAN-Exposition adulter Zebrafische reproduktive Schäden und Verhaltensveränderungen bei den Nachkommen auslöst. Die Studie der Arbeitsgruppe Khayat et al. (2023) hat das Ergebnis, dass pränatale Mobilfunkexposition zu hypoxisch-ischämischen Hirnschäden führen kann, vermutlich durch eine Störung der Blut-Hirn-Schranke und verstärkte entzündliche Prozesse durch ROS (Freie Radikale). Die Studie der Arbeitsgruppe De Boose et al. (2025) hat als Hauptergebnis, dass bei 48-stündiger Exposition von Drosophila Fruchtfliegen mit 3,6 GHz bei niedrigen Feldstärken keine signifikanten Effekte auf Aktivität, zirkadianen Rhythmus oder Reproduktion nachweisbar waren. Allerdings wurden nicht Handys, sondern Signalgeneratoren als Strahlungsquelle genutzt.
Auswirkungen auf das Gehirn
Die Studie der Arbeitsgruppe Azimzadeh et al. (2024) hat das Hauptergebnis, dass eine Mobilfunkbefeldung des Embryos zu Störungen im Hippocampus, verminderter synaptischer Plastizität sowie kognitiven und Verhaltensdefiziten führt; die Gabe von Linalool zeigte teilweise neuroprotektive Effekte. Die Arbeitsgruppe Iranfar et al. (2025) hat Auswirkungen einer GSM-Exposition auf Verschaltungen im Gehirn untersucht und Störungen der funktionellen Konnektivität insbesondere im rechten Temporallappen festgestellt, das wirkt sich auf das Gedächtnis und die Emotionen aus. Gemessen wurde mit Magnetoenzephalographie.
Erhöhtes Brustkrebsrisiko
Die Studie der Arbeitsgruppe Tahmasebi et al. (2025) hat das Hauptergebnis, dass tägliche Mobiltelefonate von mehr als 60 Minuten mit einem signifikant erhöhten Brustkrebsrisiko assoziiert sind. Prof. Lin (2026) bestätigt in seiner Auswertung der Studienlage, dass die steigende Inzidenz von Schilddrüsenkrebs mit Mobilfunkexposition korreliert und genetische Prädispositionen eine Rolle spielen könnten, so wie es Hardell / Carlberg (2025) in ihrer neuen Studie nachweisen.
Das Review des Schweizer Biologen Bächler (2025) fasst den Forschungsstand von EMF und Vögeln zusammen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass neben thermischen auch nicht-thermische Effekte wie Beeinträchtigungen der Magnetorientierung und oxidativer Stress bei Vögeln wissenschaftlich beschrieben sind und regulatorische Schutzmaßnahmen ausgearbeitet werden müssen.
Die Studie der Arbeitsgruppe Kuang et al. (2025) untersucht, ob Mikrowellen- oder Ultraschallverfahren perspektivisch zur Inaktivierung von Viren eingesetzt werden könnten, ohne menschliche Zellen thermisch zu schädigen. Prof. Héroux (2025) beschreibt in seinem Artikel, wie die wissenschaftliche Kontroverse über EMF-Wirkungen maßgeblich durch Einflussnahmen der Industrie bis heute geprägt wird.
EMF:Data Stand März 2026
Schutz vor pränatalen HF-Schäden
Azimzadeh M, Noorbakhshnia M (2024). Maternal linalool treatment protects against radiofrequency wave-induced deteriorations in adolescent rats: A behavioral and electrophysiological study. Sci Rep 2024 Jul 27;14(1):17257. Available from: https://www.nature.com/articles/s41598-024-68103-5
Die Studie Azimzadeh et al. (2024) untersucht die Auswirkung von intrauteriner (innerhalb der Gebärmutter) Mobilfunkbefeldung auf jugendliche Ratten und eine mögliche protektive Wirkung von Linalool (Terpenalkohol). Die hippocampale Homöostase der untersuchten Spurenelemente war statistisch signifikant gestört: Fe, Cu, Mn und das Cu/Zn-Verhältnis waren signifikant gesteigert, während Zn signifikant vermindert war. Mit Ausnahme von Zn wurde durch die mütterliche Linalool-Behandlung die Homöostase wiederhergestellt. Dadurch verbesserte sich auch das Cu/Zn-Verhältnis signifikant. Ergebnis: Die pränatale Exposition mit einem kommerziellen Mobiltelefon kann im Rattenmodell geschlechtsübergreifende Schäden verursachen. Diese Schäden beinhalten verschlechterte neuronale Erregbarkeit und synaptische Plastizität, übereinstimmend mit gestörtem Verhalten und verschlechterten kognitiven Leistungen. Die Autoren vermuten entweder oxidativen Stress oder eine erhöhte Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke als Grund für die veränderte Spurenelement-Homöostase. Das Cu/Zn-Verhältnis wird als Marker für Inflammation und oxidativen Stress genutzt. Die dokumentierte neuroprotektive Wirkung von Linalool könnte laut den Autoren, mit den antioxidativen Eigenschaften oder der Steigerung der synaptischen Plastizität zusammenhängen.
EMF und Vögel
Bächler E.(2025). Zum Einfluss von nichtionisierender Strahlung (NIS) auf Vögel: rechtliche Situation, wissenschaftlicher Stand und Empfehlungen für den Vogelschutz. Ornithologische Beobachter. 2025 Dec 1;122(4). https://www.ala-schweiz.ch/images/stories/pdf/ob/2025_122/OrnitholBeob_2025_122_352_Baechler.pdf
Ein Review von Bächler (2025) im Schweizer Ornithologischen Beobachter fasst den aktuellen Kenntnisstand über die Auswirkungen elektromagnetischer Felder (EMF) auf Vögel zusammen.Thermische Effekte treten nur bei hohen Feldstärken auf, während auch nicht-thermische Effekte wie Beeinträchtigungen der Magnetorientierung oder oxidativer Stress bei Vögeln wissenschaftlich belegt sind. Aus der Studienlage wird geschlussfolgert, dass Vögel durch Umweltvorschriften vor nicht-ionisierender Strahlung (NIS) geschützt werden müssen, es fehlen jedoch bisher spezifische Regelungen. Die Schweizerische Vogelwarte empfiehlt, die NIS-Schutzverordnung auch auf Vögel anzuwenden, insbesondere bei Brutplätzen.
Q10 schützt vor HF-induzierten Fruchtbarkeitsschäden
Bektas H, Yildirim S, Cakir S, Dogu S, Altindag F. (2026). Ameliorative Role of Coenzyme Q10 in RF Radiation-Associated Testicular and Oxidative Impairments in a 3.5-GHz Exposure Model. Bioelectromagnetics [Internet]. 2026 Jan 1;47(1):e70043. Available from: https://doi.org/10.1002/bem.70043
Bektas et al. (2026) untersuchten die schützende Wirkung von Coenzym Q10 bei durch HF-Befeldung induzierten Hoden- und Oxidationsschäden in einem 3,5-GHz-Expositionsmodell. Die GSM-Bestrahlung im nicht-thermischen Bereich führte zu einer signifikanten Reduktion der untersuchten Hormone Testosteron, LH (luteinisierendes Hormon), FSH (follikel-stimulierendes Hormon)). Die Verabreichung von Q10 konnte die HF-Wirkung im Falle von LH und Testosteron signifikant abmildern, bei FSH wurde kein Effekt gefunden. Die oxidativen Stressmarker zeigten ebenfalls eine statistisch signifikante Wirkung der 3,5-GHz-Befeldung im Vergleich zur Scheinbefeldung. MDA (Malondialdehyd) und TOS (totaler oxidativer Status) waren erhöht, während TAS (totaler antioxidativer Status) reduziert wurde. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass chronische GSM-modulierte 3,5-GHz-Befeldung oxidativen Stress im Hodengewebe mit konsekutiver Beeinträchtigung der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse verursachen kann. Als Folge wurden histologische Veränderungen wichtiger Fortpflanzungsmerkmale beobachtet. Das Coenzym Q10 übt durch seine antioxidative Wirkung einen partiellen Schutz aus, insbesondere auf den Testosteronspiegel und die Redox-Balance. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Anfälligkeit des männlichen Fortpflanzungssystems für nicht-thermische Mobilfunk-Wirkungen.
EMF und Insekten
De Boose P, Ribas FO, Bell D, Bouga M, De Borre E, Fröhlich J, Hatjina F, Huss A, Kalapouti A, Katsamenis OL, Blackwell L. (2025). Behaviour and reproduction of Drosophila melanogaster exposed to 3.6 GHz radio-frequency electromagnetic fields. Plos one. 2025 Dec 1;20(12):e0336228. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0336228
De Boose et al. (2025), ein europäisches Forscherteam, untersuchte erwachsene Drosophila-Fruchtfliegen unter Verwendung von RF-Dosimetrie und Tests zur Bewegungsaktivität, zirkadianem Rhythmus und Fruchtbarkeit bei 3,6 GHz. In dieser Arbeit wurde ein digitales 3D-Modell verwendet, um die HF-EMF-Absorption bei erwachsenen Fruchtfliegen zu schätzen. Das ermöglicht eine bessere Dosimetrie für die Untersuchung biologischer Auswirkungen. Berechnungen der absorbierten Leistung zeigen Schwankungen in Abhängigkeit von Frequenz, Polarisation und Entfernung von Antennen. In den Verhaltens- und Fruchtbarkeitsexperimenten, bei denen Fliegen einer HF-EMF von 3,6 GHz ausgesetzt wurden, konnten keine statistisch signifikanten Auswirkungen auf die Bewegungsaktivität, den Tagesrhythmus oder die Fortpflanzung festgestellt werden, was darauf hindeutet, dass bei den verwendeten niedrigen Expositionswerten und 48 Stunden Befeldung keine biologischen Auswirkungen auftreten. Die Elektrosmog-Redaktion merkt an: „Das einzige auffällige Manko der Studie ist, dass diese nur eine reine 3,6-GHz-Frequenz vom Signalgenerator verwendete, jedoch kein echtes 5G-Signal, wie z. B. eine "5G small cell" next-generation NodeB oder ein 5G-Endgerät. Die vielen vorherigen Studien, die De Boose et al. hier zitieren, vor allem von der Gruppe um Margaritis und Panagopoulos in Athen, haben alle reale 1G (GSM), 2G oder DECT Endgeräte verwendet, und eindeutige Anzeichen von geschädigter Fortpflanzung gefunden.“
HF während der Schwangerschaft schädigt nachhaltig
Gelenli Dolanbay E, Mert T, Caliskan Bender G, Bektas H, Uslu U, Fernandez‐Rodriguez CE, et al. (2025). Male Reproductive and Cellular Damage After Prenatal 3.5 GHz Radiation Exposure: One‐Year Postnatal Effects. Ann N Y Acad Sci [Internet]. 2025 Dec 23;1554(1):140–52. Available from: https://nyaspubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/nyas.70116
Die Arbeit von Gelenli Dolanbay et al. (2025) adressiert eine hoch relevante Lücke in der Literatur: mögliche persistente Schäden nach ausschließlich pränataler Hochfrequenzbefeldung und daraus resultierende Beeinträchtigungen der Spermatogenese im Erwachsenenalter. Das Ergebnis: Die pränatale Befeldung mit 3,5-GHz-Mobilfunk unterhalb internationaler Grenzwerte kann strukturelle und zelluläre Veränderungen des testikulären Gewebes, Beeinträchtigungen der Spermatogenese, DNA-Schäden, erhöhte Autophagie und Apoptose hervorrufen, die bei den Nachkommen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Obwohl die Befeldung der Versuchstiere lediglich intrauterin (innerhalb der Gebärmutter) erfolgte, erholt sich das Gewebe nicht von den hervorgerufenen Schädigungen. Dies weist darauf hin, dass Mobilfunk während der kritischen Phase der Embryonalentwicklung ein erhebliches Risiko für die männliche Fruchtbarkeit darstellen kann.
Industrie im Konflikt mit Wissenschaft
Héroux P. (2025). Building the gulf of opinions on the health and biological effects of electromagnetic radiation. Frontiers in Public Health. 2025 Jul 23;13:1589021. https://doi.org/10.3389/fpubh.2025.1589021
Paul Héroux ist Professor an der McGill University in Montreal, Kanada. Er ist auf Umweltgesundheit spezialisiert und beschäftigt sich mit Themen wie elektromagnetischen Feldern und deren Auswirkungen auf die Gesundheit. Er hat zahlreiche Forschungsarbeiten und Bücher zu diesen Themen veröffentlicht. Dieser Artikel untersucht das Zustandekommen unterschiedlicher Ansichten zu den gesundheitlichen Auswirkungen elektromagnetischer Strahlung, im Spannungsfeld von wissenschaftlichen und industriellen Interessen, basierend auf den persönlichen Erfahrungen des Autors im Laufe der letzten Jahrzehnte. Seit den 1980er Jahren gibt es Kontroversen über die gesundheitlichen Auswirkungen nicht-thermischer elektromagnetischer Strahlung im ELF- und HF-Bereich. Vertreter der Industrie und Umweltschützer stützen sich dabei auf unterschiedliche Expertenmeinungen und Interpretationen derselben wissenschaftlichen Literatur. Heroux ist Insider und berichtet über den Einfluss der Industrie auf die Forschung anhand eigener Erfahrungen und der Berichterstattung über Veranstaltungen, bei denen er persönlich anwesend war.
Mobilfunk verändert Hirnaktivität
Iranfar S, Wallace J, Selmaoui B, Yahia-Cherif L. (2025). Modulation of brain functional connectivity in healthy young adults following GSM radiofrequency exposure: A magnetoencephalography and magnetic resonance imaging study. Neuroscience [Internet]. 2025 Dec 15;591:103–9. Available from: https://doi.org/10.1016/j.neuroscience.2025.11.007
Die Studie Iranfar et al. (2025) ist die erste, die die Auswirkungen von Mobilfunk auf die Konnektivität zwischen verschiedenen Hirnarealen mittels Magnetoenzephalographie (MEG) untersucht. Unter Konnektivität versteht man das Zusammenspiel und die Abstimmung zwischen verschiedenen Neuronenverbänden, wenn das Gehirn Informationen verarbeitet. Ein MEG kann bestimmen, wie gut die elektrischen Schwingungen verschiedener Hirnregionen zeitlich aufeinander abgestimmt sind und ob sie in einem synchronen Rhythmus arbeiten. Die Ergebnisse der Studie zeigen statistisch signifikante Modulationen der Konnektivität zwischen den kortikalen Bereichen der rechten Hirnhemisphäre, vorwiegend im und um den Temporallappen durch die Mobiltelefon-Bestrahlung. Das sind Bereiche, die eine zentrale Rolle für das Gedächtnis und die Emotionen spielen, und einen zentralen Knotenpunkt im Gehirn darstellen.
HF verschlechtert die Prognose nach Sauerstoffmangel
Khayat S, Fanaei H, Lakzaee N. (2023). Effects of prenatal mobile phone radiation exposure on MMP9 expression: Implications for inflammation, oxidative stress, and sensory-motor impairment after neonatal hypoxia- ischemia in rats. Toxicol Reports [Internet]. 2023 Dec;11(September):378–84. Available from: https://doi.org/10.1016/j.toxrep.2023.10.007
Khayat et al. (2023) untersuchten die Auswirkungen von EMF auf das Gehirn des Embryos, insbesondere die neonatale Hypoxie-Ischämie (unzureichende Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Blut), eine der häufigsten Ursachen für Tod und Hirnschäden von Neugeborenen. Die Mangelversorgung des Gehirns führt zu einer Kaskade von Ereignissen wie Inflammation, oxidativem Stress und Energieversagen, die zu einer Hirnschädigung beitragen. Je nach Grad der neonatalen Hypoxie-Ischämie (HI) können langfristige Behinderungen wie Zerebralparese, geistige Behinderung, kognitive und motorische Störungen die Folge sein. Die Ergebnisse der Studie legen nah, dass eine pränatale Mobilfunkbelastung mit einer schlechteren Prognose bei einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie assoziiert ist. Die Autoren stellen die Hypothese auf, dass die intrauterine Mobilfunkbefeldung im Kontext der HI zu einer erhöhten MMP-9-Expression (Matrix-Metalloproteasen, Enzyme) führte, welche wiederum die Integrität der Blut-Hirn-Schranke schädigte. Dies führe zu Immunzellinfiltration, oxidativem Stress und pro-inflammatorischen Zytokinen, was wiederum die ischämische Schädigung und das zerebrale Ödem begünstige.
Antivirale EMF?
Kuang Z, Luginsland J, Hung CS, Stamps BW, Thomas RJ, Kelley-Loughnane N, Ruiz ON, Roach WP (2025). Identifying resonant frequencies of viruses for microwave-based detection and inactivation of pathogenic viruses. Scientific Reports. 2025 Nov 28. https://doi.org/10.1038/s41598-025-27669-4
Kann man Viren mit EMF bekämpfen? Dieser Frage gehen Kuang et al (2025) nach. Die natürlichen Schwingungsfrequenzen biologischer Partikel enthalten wichtige Informationen über deren Struktur und Eigenschaften. Auf Resonanzfrequenzen basierende biophysikalische Methoden könnten eine interessante Alternative zu herkömmlichen Impfstoffen und antiviralen Medikamenten darstellen. In Zukunft könnte es möglich sein, speziell entwickelte Hochfrequenzemissionen zu nutzen, um pathogene Viren wie Covid-19 zu deaktivieren oder zumindest ihre Virulenz zu verringern, indem ihre Replikations- oder Andockmechanismen beeinflusst werden. Das Ergebnis: Neuartige physikalische Strategien wie Ultraschall und nicht-thermische Mikrowellen sind vielversprechend für die Virusinaktivierung, da sie auf die Resonanzfrequenzen bestimmter Virionstrukturen eingestellt werden können, ohne menschliche Zellen zu schädigen. Mikrowellenunterstützte Inaktivierung könnte Virionstrukturen durch nicht-thermische Effekte und strukturelle Resonanzenergietransferphänomene zerstören.
Schilddrüsenkrebs und Verwendung von Mobilfunk
Lin JC (2026). Increasing Incidence of Thyroid Cancer and Use of Smart Phones [Health Matters]. IEEE Microwave Magazine. 2026 Jan 5;27(1):14-6. https://doi.org/10.1109/MMM.2025.3613612
James C. Lin, emeritierter Professor, ist eine führende Autorität auf dem Gebiet der Bioelektromagnetik. In seinem Artikel fasst Lin den aktuellen Wissensstand zum Zusammenhang zwischen Schilddrüsenkrebs und der Nutzung mobiler Telekommunikation zusammen. Anlass ist eine kürzlich aktualisierte Studie aus Schweden von Hardell / Carlberg (2025), die nahelegt, dass die Exposition gegenüber Mikrowellen- und HF-Strahlung durch die Nutzung von Mobiltelefonen die Ursache für die erhöhte Inzidenz von Schilddrüsenkrebs sein könnte. Lin schließt sich der Auffassung an, dass bei Vorliegen bestimmter genetischer Varianten die Handystrahlung signifikant mit Schilddrüsenkrebs korreliert.
WLAN schädigt generationenübergreifend
Mehta J, Khira R, Fumakiya S, Sharma P, Punekar A, Jain C, et al. (2025). From adults to offspring: Wi-Fi RF-EMR exposure in adult zebrafish impairs reproduction and transgenerationally effects development and behavior of progeny. Sci Total Environ [Internet]. 2025 Dec;1008:180982. Available from: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0048969725026221
Der Zebrafisch ist ein valides Modell für die Bewertung von EMF-induzierten Auswirkungen auf die Entwicklung und Keimzellen, inklusive Übertragbarkeit dieser Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Studie von Mehta et al. (2025) analysiert diese Auswirkungen auf das Fortpflanzungssystem adulter Zebrafische sowie auf Entwicklung und Verhalten der Nachkommen. Adulte Zebrafische wurden über einen Zeitraum von bis zu 30 Tagen täglich 4 h dem WLAN-Feld eines kommerziellen Routers ausgesetzt. Die Befeldung war realitätsnah, sie entsprach täglichem 4-stündigem Videostreaming über WLAN. Sie rief strukturelle Schädigungen der Fortpflanzungsorgane hervor, die generationsübergreifend nachteilige Auswirkungen auf die Nachkommen haben können. Sowohl die Schädigungen der Parental (Eltern)- als auch die der Nachkommengeneration weisen eine dosis-wirkungs-abhängige Beziehung auf. Die Autoren diskutieren oxidativen Stress, mitochondriale Dysfunktionen und epigenetische Veränderungen als mögliche mechanistische Grundlage der WLAN-Schäden.
Mobiltelefone und Brustkrebs
Tahmasebi S, Mortazavi SJ, Pourghayoomi M, Sheikhzadeh P, Welsh JS, Seif F, Bayatiani MR, Nematollahi S, Zohdparast P, Khoskhati F, Ghahramani Z (2025). Radiofrequency radiation from mobile phones and the risk of breast cancer: A multicenter case–control study with an additional suspected comparison group. Journal of Research in Medical Sciences. 2025 Nov 1;30(1):63. https://doi.org/10.4103/jrms.jrms_679_25
Es gibt kaum Untersuchungen und Belege für bösartige Tumoren wie Brustkrebs durch EMF. Um diese Wissenslücke zu schließen, führten die Autoren Tahmasebi et al. (2025) eine multizentrische Fall-Kontroll-Studie mit einer zusätzlichen Verdachtsgruppe in Strahlentherapiezentren im Iran durch. Diese Studie liefert neue Erkenntnisse über die mögliche Rolle von Lebensstil- und Umweltfaktoren – insbesondere der Nutzung von Mobiltelefonen, der Bildschirmzeit und der nächtlichen Lichtexposition – bei der Entstehung von Brustkrebs. Das konsistenteste und robusteste Ergebnis war der signifikante Zusammenhang zwischen längeren täglichen Mobiltelefonaten und dem Brustkrebsrisiko. Frauen, die täglich mehr als 60 Minuten mit dem Mobiltelefon telefonierten, hatten ein 3,5-fach höheres Risiko für bestätigten Brustkrebs und ein mehr als zehnfach erhöhtes Risiko, als Verdachtsfall eingestuft zu werden, verglichen mit Frauen, die angaben, täglich weniger als 10 Minuten zu telefonieren. Diese dosisabhängige Beziehung stärkt die biologische Plausibilität eines Zusammenhangs zwischen langfristiger HF-EMF-Exposition und Brustkrebsentstehung.
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Artikel veröffentlicht:
02.03.2026