PEA, das „neue“ Schmerzmittel
Palmitoylethanolamid, N-(2-Hydroxyethyl)-Hexadecanamid wird abgekürzt auch als PEA bezeichnet. Diese Substanz ist weit verbreitet in der Natur und kommt in Menschen, Tieren und Pflanzen vor. Es scheint evolutionsbiologisch eines der ältesten Moleküle der Natur zu sein.
Palmitoylethanolamid wurde erstmalig 1957 dargestellt durch Extraktion aus Sojabohnen, Eidotter und Erdnußmehl.
Die Aufmerksamkeit auf diese Substanz, basierte auf den Forschungen von Coburn und Moore aus dem Jahr 1943. Diese verabreichten Kinder, die sich mit A-Streptokokken-Bakterien infizierten hatten und teilweise an rheumatischem Fieber litten, verschiedene Diäten. Die Forscher bemerkten, dass die Kinder, die täglich vier Eidotter aßen, nicht an rheumatischem Fieber erkrankten. Eigelb enthält einige mg PEA. Anfänglich wurde dieser positive Effekt auf die Zufuhr an tierischem Fett interpretiert.
Zehn Jahre später konnte Coburn et al. nachweisen, dass eine Diät mit Eidotter bei Meerschweinchen anaphylaktische Reaktionen verhindern konnte und über mehrere Wochen positive Effekte bei Osteoarthritis zeigte.
Palmitoylethanolamid (PEA) wird bedarfsgerecht aufgrund von Entzündungen, Schmerzen oder äußeren Reizen vom Körper produziert. Normalerweise ist die körpereigene Synthese ausreichend, um den Bedarf an PEA zu decken. Allerdings bei chronischen Entzündungen oder Schmerzen, die Wochen, Monate oder gar Jahre andauern, kommt die körpereigene Produktion nicht nach. Es entsteht ein stetiges Defizit an PEA, so dass Schmerzen und Entzündungen nur unzureichend vom Körper bekämpft werden können. Chronische Entzündungen sind charakterisiert durch verringerte PEA-Spiegel, Die Zufuhr von PEA kann in solchen Fällen dazu dienen, den endogenen PEA-Spiegel wieder aufzubauen und so eine nervenschützende, entzündungshemmende und schmerzstillende Wirkung wiederherzustellen.
PEA ist ein Endocannabinoid (eCB)-ähnlicher bioaktiver Lipidmediator und wird bei Bedarf endogen in der Lipiddoppelschicht der Zellen synthetisiert.
Seine pleiotropen Wirkungen umfassen entzündungshemmende, analgetische, antikonvulsive, antimikrobielle, fiebersenkende, antiepileptische, immunmodulatorische und neuroprotektive Wirkungen,.
Die mannigfaltigen Wirkungen von PEA beruhen auf das Ansprechen unterschiedlicher Rezeptoren im Körper.
PEA wirkt über einzigartige Wirkmechanismen, die über verschiedene Signalwege angesteuert werden. Die direkten molekularen Ziele von PEA sind der Kernrezeptor Peroxisom-Proliferation-aktiviertes Alpha (PPAR-α) und der G-Protein-gekoppelten Rezeptor 55 (GPR55).
Die indirekten molekularen Ziele sind der Transient Rezeptor Potential Vanilloid Typ-1 (TRPV1), sowie die Cannabinoid-1 (CB1) und Cannabinoid-2 (CB2) Rezeptoren,. PEA aktiviert diese molekularen Ziele oder Rezeptoren direkt oder indirekt, um seine einzigartige Wirkung zu entfalten. Dies erklärt einerseits die schmerstillende Wirkung (CB1, CB2, TRPV1).
Anderseits wird durch PEA der PPAR-α Rezeptor aktiviert, dieser reduziert die Expression entzündungshemmender Proteine, wie IκB-α, was die Translokation des nukleären Faktors NF-κB stört und somit die Expression des proinflammatorischen Proteins TNF-α hemmt. Letztlich wird die Aktivierung von entzündungsfördernden Immunzellen reduziert.
Indikationen
Entzündungen sind ein zweischneidiges Schwert. Sie sind einerseits für die Heilung unerlässlich. Chronische Entzündungen dagegen sind schädlich, führen zu Gewebsschäden, die meist mit anhaltenden Schmerzen verbunden sind. Chronische Schmerzen betreffen Millionen Menschen weltweit.
Traditionelle Behandlungen mit NSAR (Nicht-steroidale-anti-Rheumatika), wie Acetylsalicalsäure, Ibuprofen, Diclofenac oder Etoricoxib können gravierende Nebenwirkungen entfalten, insbesondere bei der chronischen Einnahme. Neben gastrointestinalen Blutungen und Ulcus sind dies auch Herz-Kreislauf Störungen. Vor allem ältere, multimorbide Patienten müssen bei der Einnahme solcher NSAR zurückhaltend sein.
Im Gegensatz zu Opioiden oder NSAR verursacht PEA keine Magen-Darm Probleme und macht nicht abhängig. Daher eignet sich PEA für die Langzeitanwendung in der Behandlung von chronischen Schmerzen und Entzündungen, für diejenigen, welche die herkömmliche entzündungshemmende Medikation nicht vertragen.
Klinische Studien haben die Wirksamkeit von PEA bei der Behandlung verschiedener Schmerzzustände nachgewiesen.
Ein Maß für die Wirksamkeit eines Schmerzmittels ist die NNT, Number Needed to Treat. Dieser Wert gibt die Anzahl der Patienten an, die behandelt werden müssen, um bei einem Patienten eine therapeutische Wirkung, also einen echten spürbaren Nutzen, zu erzielen. Je niedriger der Wert für NNT ist, desto Wirksamer ist das Mittel. Der Wert für PEA ist wirklich beeindruckend. Er beträgt 1,7. Es müssen also weniger als 2 Patienten mit PEA behandelt werden, damit ein Patient eine deutlich spürbare Wirkung erfährt. Im Vergleich dazu beträgt die NNT für das Medikament Amitriptylin, das bei gleicher Indikation eingesetzt wird 4,6.
Graphische Darstellung NNT für PEA und Amitriptylin
PEA in der Therapie der Osteoarthritis
Bei Osteoarthritis ist die durch PEA vermittelte Aktivierung des PPAR-α an der Hemmung von Entzündungen beteiligt. Die entzündungshemmende Wirkung des PPAR-α-Rezeptors führt letztlich zur Hemmung des Knorpelabbaus. Zudem werden durch PEA die bei Osteoarthritis typisch auftretenden Schmerzen gemildert und das ohne Nebenwirkungen.
PEA ist außerdem besser schmerzlindernd als Ibuprofen!
Ein Hauptanliegen bei der Behandlung der Osteoarthritis, ist neben der entzündungs-hemmenden Therapie, sowohl primär als auch nachhaltig die Linderung der Schmerzen.
Für alle Patienten gibt es Hoffnung. Seriöse Studien hatten bemerkenswerte Ergebnisse zur Folge. Exemplarisch folgende Studie:
In einer dreifach verblindeten, randomisierten, klinischen Studie nahmen 24 Personen im Alter von 24-54 teil, die an Arthrose litten.
Gruppe A (12 Probanden) erhielten sieben Tage lang morgens 300 mg und abends 600 mg PEA und anschließend weitere sieben Tage lang zweimal täglich 300 mg PEA.
Gruppe B (12 Probanden) erhielt zwei Wochen lang dreimal täglich 600 mg Ibuprofen.
Die Schmerzlinderung nach zweiwöchiger Behandlung war in Gruppe A stärker als in Gruppe B.
Bioverfügbarkeit von Palmitoylethanolamid
PEA ist ein stark lipophiles Molekül mit geringer Löslichkeit, was die Absorption erschwert. PEA ist praktisch unlöslich in Wasser. Die Absorption von oral verabreichtem PEA wird daher durch die Auflösungsrate begrenzt.
Die optimale Resorption von PEA scheint durch die liposomale Technologie gewährleistet zu sein. Liposomen verbessern die Aufnahme und Absorption von PEA im Körper. Die Verwendung der liposomalen Technologie kann daher die Bioverfügbarkeit optimieren, was bedeutet, dass ein höherer Anteil des zugeführten PEA tatsächlich vom Körper aufgenommen und verwertet werden kann. Dies kann möglicherweise zu einer effizienten Abgabe von PEA an die Zielgewebe und –Zellen führen, insbesondere den Zellen, die an Schmerzen und Entzündungen beteiligt sind.
Idealerweise sollte liposmales PEA vegan und frei von synthetischen (Co-) Emulgatoren sein wie z.B. Polysorbate und Etocas.
Weitere Indikationen PEA:
Chronische Schmerzen:
Fibromyalgie
Rückenschmerzen
Endometriose
Menstruation
Migräne
Neuropatische Schmerzen / chronische Entzündungen:
Spasmen
Gürtelrose
Multiple Sklerose (MS)
Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
Diabetes Typ-1
Karpaltunnelsyndrom
Neurodegenerative Erkrankungen (Depressionen, Demenz, Alzheimer, Parkinson)
Entzündliche Darmerkrankungen
Influenza (Grippe)
Grippale Infekte (Erkältung)
Graphische Darstellung der Indikationen für PEA
Dr. rer. nat. Wolfgang Langhoff
Chemiker/Pharmazeut, Entwickler für liposomale Technologien