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„Unhörbar“ heißt nicht „harmlos“

Erstellt von Dr. Stefan Dietsche

Am 24. März 2026 wird im Europäischen Parlament in Brüssel über ein Thema diskutiert, das viele Bürger längst beschäftigt:
Schall und Infraschall von Windkraftanlagen – und mögliche Auswirkungen auf die Gesundheit.

Der Titel der Konferenz ist dabei bemerkenswert ehrlich:
„Unheard but not Harmless“ – also: nicht hörbar, aber möglicherweise nicht harmlos.

Kollegin Dr. Ursula Bellut-Staeck ist bereits auf der Umweltmedizinsichen Jahrestagung 2026 der EGKU als Referentin geladen!

 

Wenn Wachstum schneller ist als Wissen
 

Europa zählt inzwischen über 100.000 Windkraftanlagen – Tendenz steigend.

Der Ausbau schreitet oft schneller voran als die wissenschaftliche und regulatorische Klärung der Nebenwirkungen.

Zentrale Fragen stehen weiterhin im Raum:

  • Wie zuverlässig sind aktuelle Lärmmessungen?
  • Wird Infraschall ausreichend berücksichtigt?
  • Gibt es EU-weit einheitliche Standards? (Spoiler: nein.)

 

Wissenschaft zwischen Erkenntnis und Unsicherheit
 

Auf der Konferenz präsentieren u. a. Professor Ken Mattsson (Uppsala University) und Dr. Ursula Bellut-Staeck ihre Arbeiten zu:

  • Messmethoden für Infraschall
  • Modellierung von Windkraftgeräuschen
  • Grenzen heutiger wissenschaftlicher Verfahren

Ein interessanter Punkt:
In vielen Genehmigungsverfahren werden Lärmauswirkungen hauptsächlich berechnet – nicht gemessen.

Das ist ungefähr so, als würde man das Wetter für die nächsten 20 Jahre vorhersagen… ohne jemals aus dem Fenster zu schauen.

 

Was sagt die Forschung wirklich?
 

Hier wird es spannend – und widersprüchlich. Trotz der kompletten Entwarnung seitens der Politik, gibt es:

Hinweise auf Belastungen

Studien zeigen:

  • Zusammenhang zwischen Windkraftlärm und Schlafstörungen
  • Erhöhte Belästigung („Annoyance“)
  • Mögliche Auswirkungen auf Lebensqualität und Stresslevel

👉 https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0160412015001051
👉 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24995266/

 

 

Und dann ist da noch der Mensch
 

Ein weiterer Erklärungsansatz:

  • Der sogenannte Nocebo-Effekt
  • Bedeutet: Erwartete Risiken können Symptome verstärken oder sogar erzeugen

👉 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0013935115001334

Kritisch gefragt:
Selbst wenn Beschwerden „psychologisch“ sind – sind sie deshalb weniger real?

 

Politischer Druck wächst

Die Petition 0482/2021 fordert:

  • Einheitliche EU-Regeln für Windkraftlärm
  • Bessere Schutzstandards für Anwohner

Das Europäische Parlament hat reagiert – die Prüfung läuft.
Eine Antwort der EU-Kommission steht noch aus.

Man könnte sagen:
Die Politik hat das Thema gehört.
Jetzt muss sie nur noch zuhören.

 

Fazit: Viel Wind, viele Fragen

  • Die Forschung ist nicht eindeutig
  • Die Regulierung ist uneinheitlich
  • Die Betroffenen fühlen sich oft nicht ausreichend berücksichtigt

Und genau deshalb ist diese Konferenz wichtig.

Denn eines ist klar:
Wenn eine Technologie als nachhaltig gelten soll, muss sie nicht nur klimafreundlich sein – sondern auch menschenverträglich.

 

Ausblick

Die kommenden Monate könnten entscheidend werden:

  • Kommt ein einheitlicher EU-Rahmen?
  • Werden Messmethoden verbessert?
  • Wird Infraschall künftig ernster genommen?

Oder bleibt es beim bisherigen Prinzip:
Ausbauen, beobachten – und später nachbessern?

 

Die EGKU bleibt dran.

 

 

 

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